Koi Lexikon

 

Koi Herpes Virus KHV

Beim Koi Herpes Virus / KHV handelt es sich um ein hoch ansteckendes Virus, genauer um ein DNA-Virus aus der Familie der Herpesviren. Das Virus verursacht bei Koi-Karpfen eine schwere Infektionskrankheit, die unter dem Eigennamen des Koi Herpes Virus (KHV) bekannt ist. Die Inkubationszeit ist abhängig von der Wassertemperatur. Je nach Wohlbefinden und Gesundheitszustand des Kois liegt sie zwischen fünf Tagen und einem Monat. Kommt die Koi Herpes Virus Infektion zum Ausbruch, so sterben in der Regel 80 bis 100 Prozent der Kois innerhalb eines Zeitrahmens von 24 Stunden bis zwei Wochen. Die Krankheit wurde im Jahr 1997 erstmalig in Deutschland entdeckt und ist seit 2005 eine meldepflichtige Tierseuche.

Übertragung des Koi Herpes Virus (KHV)

koi-herpes-virus-khvDas Koi Herpes Virus wird durch direkten Kontakt übertragen. Der direkte Hautkontakt unter Kois, Neuankömmlinge im Teich oder Kiemenausscheidungen können ebenso Ursache für eine Übertragung sein wie verseuchtes Wasser oder andere Flüssigkeiten, mit denen die Koi-Karpfen in Berührung kommen. Auch der Mensch kann diese Krankheit durch seine bloßen Hände oder infizierte Arbeitsgegenstände für die Teichpflege übertragen; dazu gehören zum Beispiel Netze, Kescher und Reinigungswerkzeuge. Eine zeitweilig vom Aussterben bedrohte und 2010 zum Vogel des Jahres ernannte Vogelart sind die Kormorane (Phalacrocorax carbo), die ebenfalls für eine Übertragung der Krankheit auf Koi-Karpfen infrage kommen. Ebenso verdächtig sind Goldfische und Störe. Das Koi Herpse Virus überdauert in Wasser höchstens zwei Wochen, wenn es keinen Wirt findet, außerhalb nur etwa zwei Stunden.

Kriterien für den Krankheitsverlauf einer Koi Herpes Infektion

Wirkt ein Koi krank, so ist häufig nicht sofort erkennbar, dass es sich um eine Virusinfektion mit Koi-Herpes handelt. Die Krankheitssymptome, die der betroffene Koi zeigt, können auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein und deshalb nicht unmittelbar auf KHV zurückgeführt werden. Weiterhin kann die Koi Herpes Virusinfektion als eine Parallelerkrankung zu einer bereits bestehenden Krankheit auftreten, wodurch eine zuverlässige Diagnose in kürzester Zeit nicht möglich ist.

Wichtige Bedingungen für den Krankheitsverlauf stellen Wasserqualität, Besatzdichte im Teich und Stressfaktoren dar. Aber auch Verunreinigungen – beispielsweise durch mangelhafte Filteranlagen -, Sauerstoffmangel im Teichwasser, Überfütterung der Kois oder Einschleppung bakterieller Erkrankungen sind Kriterien, die wesentlich über den Krankheitsverlauf mitentscheiden.

Die größte Gefahr eines Krankheitsbefalls besteht bei Wassertemperaturen zwischen 18 und 25 Grad, wobei die Krankheit bereits bei acht Grad ausbrechen kann. Im Gegenzug wurde festgestellt, dass Wassertemperaturen von unter vier Grad oder über 30 Grad eine Infektion mit dem Koi Herpes virus  ausschließen.

Symptome des Koi Herpes Virus

Es gibt sowohl optische als auch Verhaltensmerkmale, die auf eine Erkrankung mit dem Koi Herpes Virus schließen lassen. Zu den häufigsten Symptomen zählen eingefallene Augen, Appetitlosigkeit bis hin zur kompletten Futterverweigerung, Reizunempfindlichkeit und Teilnahmslosigkeit; der betroffene Koi wird zum Einzelgänger und sondert sich von seinem Schwarm ab. Weitere Symptome sind die vielfache Schleimbildung und stückweise -absonderung sowie häufige Schnappatmungen an der Wasseroberfläche. Weiße und rote Flecken an den Kiemen deuten auf ein Absterben der Kiemenzellen (Nekrosen) hin. Der Koi leidet außerdem an Organblutungen und Blutungen der Haut, hat eine veränderte Niere und geschwollene Milz. Die Haut ist aufgeraut und fühlt sich wie Schmirgelpapier an, er verliert seine satte Farbenpracht und steht oft auf dem Kopf. Eine Infektion mit dem Koi Herpes Virus ist pathologisch gekennzeichnet durch eine bakterielle Nierenentzündung (interstitielle Nephritis), Einschlusskörperchen im Zellinneren, ein verändertes Blutbild und der Bildung von Riesenzellen. Die Einschlusskörperchen können durch sichtbar gemachte Partikel im Inneren der Zellen nachgewiesen werden; die Riesenzellen sind stark vergrößerte Zellen mit unförmigen oder gelappten Kernen, die durch Kernteilungen entstehen.

Diagnose und Nachweis des Koi Herpes Virus (KHV)

Der Nachweis einer Infektion mit dem Koi Herpes Virus erfolgt durch einen sogenannten LAMP-Test (Loop-Mediated Isothermal Amplification) oder durch eine PCR (Polymerase-Chain-Reaction, Polymerase-Kettenreaktion). Bei der PCR werden Teilstücke des Virusgenoms molekularbiologisch nachgewiesen. Dieser Test bietet allerdings keine 100%ige Sicherheit. Als zur Diagnosestellung zuverlässig gilt hingegen der LAMP-Test, bei dem nach Teilen des CyHv-3-Gens gesucht wird. Das Ergebnis liegt innerhalb von zwei Stunden vor und ist farblich dargestellt. Ein weiterer Vorteil des LAMP-Tests ist, dass er sowohl vor Ort als auch in Kliniken und Tierarztpraxen durchgeführt werden kann, für eine PCR kommen nur speziell ausgerichtete Labors infrage.

Behandlung einer Infektion mit dem Koi Herpes Virus

Bis zum heutigen Stand der Wissenschaft ist eine Heilung der Infektion mit dem Koi Herpes Virus (KHV) leider nicht gegeben. Sofern der erkrankte Koi den Ausbruch der Virusinfektion überlebt, kann er lediglich dahin gehend therapiert werden, dass ein Weiterleben mit dem Herpesvirus möglich ist. Die momentan einzige Möglichkeit besteht darin, den infizierten Koi zu immunisieren. Hierfür wird die Temperatur für die Dauer von 30 Tagen auf 30 Grad erhöht. Die Immunisierung als Therapieform ist jedoch nicht unproblematisch, denn der betroffene Koi stellt nunmehr eine Gefahr für alle anderen Koi-Karpfen im Schwarm dar, da er in jedem Fall ein Überträger des Virus ist. Man bezeichnet die gegen KHV immunisierten Kois als Carrier, das heißt, sie sind Virusträger ohne aktiven Virus. Allein seine Ausscheidungen können Herpesviren enthalten, die dann andere Kois infizieren. Immunisierte Koi-Karpfen sind keineswegs gesund, sodass auch neue Kois, die dem Schwarm zugesetzt werden, erkranken können. Die gesunden Tiere könnten geimpft werden, eine Garantie für einen Schutz gegen KHV gibt es aber dennoch nicht. Bislang ist in Deutschland zudem kein Impfstoff zugelassen. Man kann also sagen, dass eine KHV-Infektion nicht heilbar ist. In einigen Fällen muss der Gesamtbestand getötet werden, um die Infektion auszumerzen. Anschließend muss der Fischteich trocken gelegt und vollständig desinfiziert werden.

Wichtiger Hinweis: Erkrankte Kois müssen grundsätzlich sofort zum Tierarzt. Der Halter sollte auf jegliche Art von Eigenbehandlung oder das Verabreichen von Medikamenten verzichten. Nur ein Facharzt kann eine korrekte Diagnose stellen und die entsprechende Behandlungsmethode einleiten. Bei KHV handelt es sich um eine Krankheit, deren Erreger sowohl Halter als auch Tierärzte vor ein fast unlösbares Problem stellen. Eine Infektion kann dazu führen, den gesamten Koi-Bestand unter Umständen keulen zu müssen.

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