Koi Lexikon

 

Was versteht man unter Koizucht?

Unter Koizucht wird die Aufzucht von jungen Kois aus dem vorhandenen Koibestand eines Züchters verstanden. Damit eine Koizucht erfolgreich verläuft, gilt es, verschiedenste Grundsätze zu beachten. Denn wird eine Koizucht ohne eine notwendige Fachkenntnis betrieben, so kann es beispielsweise geschehen, dass die vorhandenen Koi-Weibchen erst gar keinen Laich ablegen, der die Grundvoraussetzung für Koi-Nachwuchs ist. Wird eine Koizucht nicht fachmännisch betrieben, so kann es darüber hinaus schwierig sein, Tiere mit gewünschten Farben und Musterungen zu züchten; so kann es im Rahmen einer nicht koordinierten und artgerechten Koizucht beispielsweise zu Fehlbildungen beim Koi-Nachwuchs kommen oder die Kois, die aus einer Zucht stammen, weisen eine Naturfarbe auf. Letzteres erweist sich in der Regel vor allem als problematisch, wenn die gezüchteten Tiere verkauft werden sollen, denn meist existiert für naturfarbene Kois unter Liebhabern der Tiere keine oder sehr eingeschränkte Nachfrage. Je nach deren Zeichnungen und Farben können Kois aus der anerkannten Koizucht in verschiedene Zuchtformen oder Unterformen eingeteilt werden. Wie exakt diese Merkmale bei Zuchttieren den Vorgaben der Koizucht für die verschiedenen Koi-Arten entsprechen, fließt in der Regel in die materielle Wertigkeit der entsprechenden Tiere ein.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Koizucht

was-versteht-man-unter-koizuchtUm nur einige wenige Punkte zu nennen, die im Rahmen einer geplanten Koizucht nach Ansicht von Experten erfüllt sein sollen, müssen sich Kois in ihrem Becken bzw. Teich zunächst wohlfühlen, damit die weiblichen Kois Ende Mai oder Anfang Juni eines Jahres Laich ablegen. Hierzu bedarf es unter anderem einer ausreichenden Wasserqualität und einer Wassertemperatur, die den Bedürfnissen von Kois entspricht. Legt ein weiblicher Koi Laich, so kann es sich dabei im Schnitt um bis zu 100.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht eines Koi-Weibchens handeln. Um einem Koi-Weibchen einen geeigneten Platz zur Laichablage zur Verfügung zu stellen, können in einem Becken oder Teich hierzu beispielsweise sogenannte Ablaichschnüre angebracht werden. Im Rahmen einer Koizucht empfehlen Experten außerdem, den Laich, der zur Aufzucht verwendet werden soll, baldmöglichst nach der Laichablage in ein separates Becken zu verlagern. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass der Laich von Kois oder anderen im Becken befindlichen Fischen gefressen wird. Außerdem wird dazu geraten, aufgrund des möglichen Umfangs an Laich durch weibliche Weibchen nach dem Ablaichen das Wasser in einem Koibecken oder -teich entsprechend zu erneuern bzw. aufzubereiten. Um geplant bestimmte Koisorten züchten zu können, ist es bei einem Koizüchter in der Regel die Voraussetzung, dass er sich mit den verschiedenen Koiarten und deren Farbgebungen, Zeichnungen und Besonderheiten auskennt; nur so ist es möglich, durch Auswahl der Tiere, die für eine Koizucht verwendet werden sollen, Einfluss zu nehmen auf das Äußere der Kois, die aufgezogen werden.


Geschichte der Koizucht

Koi, die heute in der Koizucht eingesetzt werden, stammen hauptsächlich aus Japan. Allerdings sind sich Fachleute nicht einig darüber, ob der Koi ursprünglich aus Japan stammt. Bekannt ist, dass in Teilen Japans bereits während des 18. Jahrhunderts Karpfen (die japanische Bezeichnung für Karpfen ist Goi bzw. Koi) von Reisbauern gehalten wurde, um diese zu verzehren. Vor allem war der Karpfen in solchen Gegenden Japans, die relativ abgelegen waren, eine unverzichtbare Nahrungsquelle – besonders während der Wintermonate. In einigen dieser Gegenden entwickelte sich vor diesem Hintergrund die Karpfenzucht. Um 1800 bemerkten japanische Karpfenzüchter sogenannte Farbmutanten (also Tiere, die aufgrund einer Änderung im Erbgut Farben aufwiesen, die sich von den naturfarbenen Karpfen unterschieden) unter den gezüchteten Karpfen; diese Farbmutationen wirkten sich zunächst lediglich so aus, dass sich zu den naturfarbenen Karpfen auch weiße, rote und hellgelbe Tiere gesellten. Da die Gegend Japans, in der die Farbmutanten entdeckt worden waren, eine abgeschiedene Gegend war, kam es zunächst nur zu einer sehr langsamen Verbreitung dieser anders gefärbten Tiere. Im Jahr 1914 schließlich wurden einige der farbigen Kois bei einer Ausstellung in Tokio präsentiert und gewannen einen Preis. Daraufhin erhielt der damalige japanische Kronprinz einige der prämierten Kois als Geschenk; die entsprechende Ausstellung wurde somit zum Meilenstein der bis heute kultivierten Koizucht. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage, die in den 1920er Jahren herrschte, erlitt die Koizucht einen ersten Einbruch und auch während des Zweiten Weltkrieges verlor die Koizucht aufgrund des allgemein herrschenden Lebensmittelmangels vorübergehend an Bedeutung. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges allerdings profitierte die Koizucht unter anderem vom zunehmenden Ausbau der Verkehrsnetze von Zügen und Flugzeugen; auf diese Weise wurde es leichter, in Japan gezüchtete Kois weltweit zu exportieren. Mit steigender internationaler Bekanntheit der farbigen Karpfen haben seitdem auch deren Verbreitung und Beliebtheit und somit auch die Koizucht stetig zugenommen. Die Koizucht findet nicht mehr nur in Japan statt, sondern wird international beispielsweise auch in Ländern betrieben wie Südafrika oder Israel.

Zuchtformen

In der Koizucht findet sich eine Vielzahl verschiedener Zuchtformen. Mindestens 16 dieser Zuchtformen sind Hauptvarianten des Kois; darüber hinaus existieren mehr als 100 Unterformen der Farbkarpfen. Bei diesen Zahlen handelt es sich um keine festen Größen, denn die Koivarianten, die aus der Koizucht hervorgehen, nehmen stetig zu. Bekannt sind die verschiedenen Zuchtformen der Kois unter deren japanischen Bezeichnungen. Die typischen Bezeichnungen für eine entsprechende Zuchtform werden jeweils durch Namenszusätze ergänzt, mit denen die individuellen Zeichnungsmuster eines Kois gekennzeichnet sind. Im Folgenden seien einige der Zuchtformen exemplarisch dargestellt:

Beim sogenannten Bekko (wörtlich übersetzt bedeutet dies so viel wie Schildplatt) handelt es sich um einen schwarz gefleckten Koi, der verschiedene Grundfarben aufweisen darf; so darf diese Grundfarbe entweder gelb, rot oder weiß sein. Je nach der Grundfarbe, die ein Bekko aufweist, wird seine japanische Bezeichnung durch Zusätze wie ‚Ki‘ (für einen Bekko gelber Grundfarbe), ‚Aka‘ für einen Karpfen roter Grundfarbe oder ‚Shiro‘ für ein Tier weißer Grundfarbe ergänzt. Festgelegt ist in der Koizucht darüber hinaus, dass sich ein schwarzer Fleck des Bekkos nicht über dessen Kopf erstrecken darf – anders als es beispielsweise beim sogenannten Utsurimono der Fall ist.

Der Utsurimono wird auch als Utsuri bezeichnet. Im Deutschen bedeutet die Bezeichnung dieser Zuchtform des Kois so viel wie ‚Harmonie-Sorte‘. Der Utsurimono ist gekennzeichnet durch seine schwarze Grundfärbung. Daneben verfügt die Zuchtform über entweder gelbe, rote oder weiße Flecken. Die Färbung dieser Flecken bestimmt auch bei dieser Koiform einen Namenszusatz; entsprechend der farbkennzeichnenden Namenszusätze beim Bekko stehen auch beim Utsurimono der Zusatz ‚Ki‘ für gelbe Flecken und ‚Shiro‘ für weiße Flecken. Anders als beim Bekko werden rote Flecken durch den Namenszusatz ‚Hi‘ gekennzeichnet. Nach Anforderungen der Koizucht sollten sich die Farbflecken eines Utsurimono gleichmäßig über dessen Körper erstrecken.

Beim sogenannten Kohaku (ins Deutsche übersetzt bedeutet dies ‚rot-weiß‘) handelt es sich um eine der ältesten – und gleichzeitig auch um eine der in Japan beliebtesten – Varietäten, die gezielt der Koizucht entsprungen sind. Die Zuchtform weist eine weiße Grundfarbe auf und trägt rote Zeichnungen auf dem Rücken. Der Kopf eines Kohaku kann, muss aber keine rote Farbe aufweisen. Auf den Flossen sollte ein Kohaku allerdings keine Rotzeichnung aufweisen. Ein entsprechender Namenszusatz kennzeichnet die Art der roten Zeichnung, die ein jeweiliger Kohaku aufweist; zu den bekanntesten Kohaku-Exemplaren zählt der sogenannte Tancho Kohaku. Dieser Koi weist auf dem Kopf einen runden roten Fleck auf, der nach japanischer Ansicht die japanische Flagge darstellen soll. Ein Inazuma (‚Blitz‘) Kohaku ist unter anderem charakterisiert durch eine zickzackförmige Zeichnung auf dem Rücken, die an einen Blitz erinnert.

Der Taisho Sanke bzw. Taisho Sanshoku zählt zu den häufigsten Varietäten der Kois. Die Bezeichnung dieser Varietät bedeutet im Deutschen ‚dreifarbig‘. Entsprechend zeigt der Sanshoku eine weiße Grundfarbe, auf der sich rote und schwarze Flecken befinden. Nach den Kriterien der Koizucht sollten sich die schwarzen Flecken eines Sanshoku dabei nicht auf dessen Kopf befinden und sollten sich farblich scharf von den übrigen Farben des Fisches abheben. Charakteristisch für einen Sanshoku sind außerdem schwarze Streifen auf den Brustflossen. Entsprechend der Struktur, die die Flecken eines jeweiligen Sanshoku aufweisen, ist der Koi durch eine jeweilige Namensergänzung gekennzeichnet. In Europa ist der Sanshoku bzw. Sanke eine sehr beliebte Zuchtform des Koi, denn hier wird diese Koiform als sehr ‚koitypisch‘ angesehen. Da ein Sanke also nicht nur von Experten sehr schnell als Koi identifiziert werden kann, gilt der Sanke europaweit unter anderem als Statussymbol.

Auch der Showa Sanshoku bzw. Showa Sanke ist (ebenso wie der Taisho Sanke) dreifarbig. Allerdings ist die Grundfärbung des Showa Sanke schwarz, während er weiße und rote Flecken aufweist. In der traditionellen Koizucht ist es erwünscht, dass Rot die dominierende Farbe eines Showa Sanke ist. Der Asagi (‚hellblau‘) zählt zu den ersten Zuchtformen des Kois. Charakteristisch für den Asagi ist unter anderem dessen blaue Rückenfärbung mit Schuppen, die hellblau bis weiß umrandet sind. Ein in der Koizucht idealer Asagi weist einen weißen Kopf auf, wobei die Wangen eine Rotfärbung zeigen. Auch Seitenflossen und Brust eines Asagi sollten nach Vorgaben der Koizucht rot sein. Verfügt ein Asai über eine sogenannte Spiegelkarpfen-Beschuppung, so wird er als Shusui bezeichnet. Mögliche Unterformen des Asagi bzw. Shusui sind sehr vielfältig.

Der Kin Gin Rin (‚Gold Silberne Schuppen‘) zeichnet sich aus durch seine reflektierende Beschuppung, in der er sich etwa unterscheidet von den sogenannten metallischen Koiformen. Die reflektierenden Schuppen eines Kin Gin Rin sollten sich idealerweise über die gesamte Oberfläche eines Kois oder über einen Teil der Oberfläche erstrecken. Dabei sollte sich die Beschuppung in mindestens 2 Reihen auf dem gesamten Rücken eines Kois zeigen. Die charakteristischen Schuppen eines Kin Gin Rin können entweder flach oder gewölbt sein. Die jeweiligen Bezeichnungen der Unterformen des Kin Gin Rin richten sich beispielsweise nach der Schuppenfärbung und danach, über welche Anteile der Oberfläche eines Kois sich die reflektierende Beschuppung erstreckt.

Die Bezeichnung ‚Kawarimono‘ schließlich ist eine Sammelbezeichnung für Kois, die nichtmetallisch sind und die nicht eindeutig den Charakteristika definierter Zuchtformen entsprechen. Gehen aus einer Koizucht entsprechende nichtmetallische, neue Kreuzungen hervor, so werden sie häufig der Gruppe der Kawarimono zugeordnet. Das hat zur Folge, dass sich die Koiformen dieser Gruppe stetig erweitern. Grundvoraussetzung eines Kawarimono sind nach Kriterien der Koizucht beispielsweise reine Farben und klar definierte Muster entsprechender Kois.

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